So ganz warm wurden wir mit dem neuen Golf R nach dem Anschauen der ersten Bilder noch nicht. Die Front zu brav, die Räder – sofern nicht die aufpreispflichtigen (mindestens 915 Euro teuren) 19-Zoll-Räder geordert werden – zu klein und das Heck kommt dafür um so dicker: Die vier Endrohre wirken fast etwas overdressed.

Golf R txt vwmag 1Aber wie er dann so vor einem steht, im edlen und zurückhaltenden Zwirn mit dem Namen Limestone Grey Metallic (ebenfalls aufpreispflichtig, 535 Euro), macht der momentan schnellste aller Gölfe doch eine ganz schön gute Figur. Und auch die vier polierten Endrohre machen doch was her, ohne gleich den fiesen Beigeschmack von After-Market-Tuning mitzubringen. Wir hätten uns am Testwagen zwar immer noch zu gerne die 19-Zöller „Pretoria“ (1.015 Euro) gewünscht, aber sei es drum. Kleinere Räder, größere Performance lautet jetzt halt einfach das Credo. Dahin geht’s.

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In die feinen Sportsitze mit der serienmäßigen Alcantara-Umrahmung (gegen Aufpreis von 2.680 Euro gibt es stattdessen „Nappa Carbon“) pflanzt man sich nur allzu gern. Klavierlack, R-Insignien und einige blau eingefärbte (und blau leuchtende) Details deuten auf den Top-Wolfsburger hin, der es ganz nackig auf immerhin 38.325 Euro bringt. Aber man bekommt ja auch was geboten.

Golf R txt vwmag 3Zum Beispiel den nach Startknopfdruck erwachenden Zweiliter mit Direkteinspritzung und Abgasturbolader mit satten 380 Newtonmetern Drehmoment ab 1.800 U/min und 300 PS. Dass dieser losrumpelt wie ein alter Fünfzylinder-Turbo erscheint zwar eher befremdlich, lässt sich aber durch die Fahrprofilauswahl (123 Euro) glücklicherweise weitgehend abstellen. Den Motor auf die Stellung „Normal“, dann ist der Sound auch halbwegs „normal“. Alles andere auf „Sport“ und man erlebt den Golf at it’s best.

Golf R txt vwmag 4Der erste Gang der manuellen Sechsgangbox (6-Gang-DSG kostet 1.925 Euro Aufpreis) rastet knackig kurz ein und wer möchte, knallt in knapp über fünf Sekunden auf 100. Dank des bewährten 4-Motion-Systems mit Haldexkupplung, über die bei Bedarf stufenlos die Hinterachse angesteuert wird, haben alle vier der üppig breit-bereiften 18-Zöller immer genügend Grip zu bieten und es bedarf einiges an Einsatz oder mangelnder Sensibilität in Hintern und Gasfuß, um „den R“ aus der Ruhe zu bringen und die Assistenzleuchten aufflackern zu lassen. Allen Sportfahrern sei hier auch gesagt, dass das ESP tatsächlich „aus“ ist, wenn es als „aus“ angezeigt wird. Wer sich aber an der hoch angesiedelten Grenze bewegen kann, erhält als Gegenleistung eine Fahrdynamik, bei der kein Auge trocken bleibt.

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Höchst neutral und mit gezieltem Gaseinsatz auch übersteuernd wedelt der Golf R über die Landstraßen – dank der auch im GTI eingesetzten Progressivlenkung sind hier deutlich weniger Lenkumdrehungen als normalerweise nötig. Während es beim Golf 2,75 Umdrehungen (entsprechen etwa 500°) bis zum Volleinschlag sind, sind es beim „R“ gerade einmal 2,1 Umdrehungen (ca. 380°). Das DCC-Fahrwerk (1.015 Euro) ist in der „Sport“-Position knackig und sportlich, ohne zum Versetzen auf schlechten Straßen oder schneller Kurvenfahrt zu neigen. Lediglich in längeren Baustellenabschnitten oder auf unbefestigten Straßen – ja, die gibt es in Deutschland auch noch – empfiehlt sich die Einstellung „Comfort“, in der die Dämpfkräfte von DCC deutlich verstärkt und somit Stöße beeindruckend abgefiltert werden.

Golf R txt vwmag 6Und ist man im R auch mal ganz R-untypisch unterwegs, kann der Zweiliter auch sehr passable Schnitte erzielen: Bei dem bestenfalls erreichten Minimalwert von 5,5 Litern auf 100 Kilometer haben wir uns jedoch schon sehr zurückgehalten – im gemischten Betrieb kamen wir auf Werte zwischen 7,5 und 8,5 Liter. Wer es krachen lässt und den Golf R ausschließlich so bewegt, wie es seine 300 PS und die vier Endrohre suggerieren, kommt um zweistellige Angaben im Bordcomputer und beim späteren Nachrechnen nicht herum.

Doch das ist nicht das Ziel dieses Golfs – es ist mehr. Vielmehr ist der Golf R gedacht für ambitionierten Fahrer, die gerne und viel unterwegs sind aben eben auch an einem Montagmorgen auf der Hausstrecke mal ein wenig Spaß haben möchte. Ohne sich in enge Sportsitze quetschen zu müssen und ohne sich überlegen zu müssen, was er dazu anzieht. Denn ein Golf geht immer und überall. Und der R, der geht ganz besonders gut.

Für die Fotografien bedanken wir uns bei mag7 media!

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Und hier noch die offizielle Golf R-Bilder aus Wolfsburg:

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Technische Daten*:
Modell: Golf R 2.0 TSI 4Motion
Motor: Reihen-Vierzylinder, Turbolader, 1.984 ccm
Leistung: 300 PS (221 kW) bei 5.500 – 6.200 U/min
Drehmoment: 380 Nm zwischen 1.800 und 5.500 U/min
Antrieb: Allradantrieb, Sechsgang-Handschaltung (opt. Sechsgang-DSG)
Verbrauch (ECE): 7,1 l/100 Km
Beschleunigung (0 – 100 Km/h): 5,1 s
Höchstgeschwindigkeit (abgeregelt): 250 Km/h
Abmessungen (l/b/h): 4,27 m/1,79 m/1,43 m
Gewicht: 1.476 Kg
Grundpreis: 38.325 Euro

* Herstellerangaben