Die zweite Generation des Passat Alltrack reiht sich nahtlos in die seit einigen Jahren heranwachsende Klasse der höhergelegten, Plastik beplankten und teils allradgetriebenen Semi-Sport-Utility-Vehicles ein: Höhergelegt? Ja, ist er, um ganze 2,75 Zentimeter. Plastik rundum? Hat er auch und sogar einen vollwertigen Unterfahrschutz, der mit seinem „hoch belastbaren Kunststoff“ zumindest kleineren Hindernissen Paroli bieten könnte. Und sogar Allrad ist in Form von 4Motion immer an Bord. Bleiben zwei brennende Fragen: Wie fährt sich die zweite Generation des Alltrack und: Warum gibt es sie eigentlich, wenn doch mit Tiguan und Touareg bereits vollwertige SUV existieren?

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In Anbetracht der auf den Straßen immer häufiger zu sehenden unlackierten Plastikverkleidungen stellt sich letztere Frage beinahe gar nicht mehr: Auch ein Passat Alltrack hat offensichtlich seine Daseinsberechtigung. Die Mehrzahl der Nutzer steigt am Freitagnachmittag im Anzug ein und im Surfoutfit wieder aus. Sie braucht weder Unterfahrschutz noch Allradantrieb oder die höhergelegte Karosserie wirklich, sondern findet sie einfach schick. Und tatsächlich kommt der ohnehin schon ansehnliche Passat Variant durch die Alltrack-Features eine große Spur stämmiger daher: Weniger Vertreterkombi, mehr Freizeitvertreter. So wird ein Schuh draus.

HIER ZUM VERGLEICH DER PASSAT VARIANT

Durch einen Alltrack hebt man sich ab vom „Variant“. Ob „Individualität“ in einem Atemzug mit einem der meistverkauften Autos der Welt genannt werden kann, sei dahingestellt. Zumindest dürfte eine gewisse Einzigartigkeit durch die offensive Preisgestaltung erreicht werden, die mit ein paar Griffen in die Extrakiste schnell an den großen Bruder Touareg heranreicht: Der neue Alltrack startet bei 38.550 Euro, damit liegt er rund 5.000 Euro über einem Passat Variant Trendline mit vergleichbarer Motorisierung und Allrad – der Betrag relativiert sich allerdings je nach Ausstattungsvariante und Antrieb. Es sind ausschließlich Zweiliter-Motoren mit mindestens 150 PS verfügbar, zu den drei Dieseln mit bis zu 240 PS (47.150 Euro) gesellt sich der aus dem Golf GTI bekannte 2.0 TSI mit 220 PS (ab 42.575 Euro), der nur im Alltrack mit Allradantrieb kombinierbar ist. Er dürfte dennoch eine Randerscheinung bleiben, dazu machen die Diesel ihren Job zu gut. In unserem Testfahrzeug verrichtete der 190 PS starke 2.0 TDI seinen Dienst, der sehr unauffällig und dank 400 Newtonmetern Drehmoment ausreichend kräftig anschiebt. Erst oberhalb von 180 Km/h wird der Vortrieb etwas zäh und ob des hohen Leergewichts von rund 1,7 Tonnen sollte man sich zwei Mal überlegen, den deutlich schwächeren Einstiegsmotor (150 PS, 340 Newtonmeter) zu wählen. Letzterer ist jedoch als einziger mit Handschaltung verfügbar, die übrigen sind serienmäßig mit Sechs- (190 PS TDI) und Siebengang-DSG (TSI und 240 PS TDI) ausgestattet.

EINE NUMMER KLEINER: DER GOLF VARIANT ALLTRACK

Die Doppelkupplungsgetriebe und die stark gekapselten Motoren passen gut zum komfortablen und in Verbindung mit der adaptiven Fahrwerksregelung DCC (Serie bei TSI und 240 PS TDI, ansonsten 1.150 Euro) in mehreren Modi einstellbaren Fahrwerk. Im Comfort-Modus rollt der Alltrack selbst mit den aufpreispflichtigen 18-Zöllern inklusive Breitreifen sanft ab, die einzelnen Einstellungen könnten jedoch noch deutlicher voneinander abgegrenzt werden: Im Sportmodus schlagen Bodenwellen lediglich deutlicher durch, sportlicheres Fahren wird dadurch jedoch nicht ermöglicht. Überhaupt machen sich die Mehr-Zentimeter Bodenfreiheit hauptsächlich in der höheren Sitzposition positiv bemerkbar. Wer häufig ambitioniert unterwegs ist, wird dafür auch minimal mehr Seitenneigung in Kurven und eine etwas weniger direkte Verbindung zwischen Fahrer und Straße registrieren. Der Alltrack ist rundum etwas gedämpfter.

Dafür finden die Nutzer, die die Geländeoptik wörtlich nehmen, einen Offroad-Modus vor, der neben kamerabasiertem „Area View“ und den relevanten Einstellungen von Lenkung, Assistenzsystemen, Getriebe und Fahrwerk auch ein entsprechendes Menü bereithält, über das Lenkwinkel, Kompass und Höhenmesser im zentralen Bildschirm angezeigt werden. So stellen leichte Feldwege oder die frisch beschneite Strecke zur Skihütte keine unüberwindbaren Hindernisse mehr dar. Trotzdem nur Spielerei für wenige Tage im Jahr? Kann sein. Doch eine „Spielerei“ ist der Passat Alltrack ohnehin, ein herkömmlicher Variant schneidet im Alltag nicht schlechter ab. Aber das alleine zählt eben häufig nicht. Den Freizeitlook lässt man sich doch auch gern mal etwas mehr kosten.